Ausflugsziel und Wissenschaftsort in Schöningen, Landkreis Helmstedt: Direkt am Braunkohle-Tagebau auf dem ehemaligen eisernen Vorhang sind die ältesten Jagdwaffen der Welt zu sehen: 300 000 Jahre alte Speere aus Fichtenholz.
Der frühe Homo erectus, vermutlich ein Neandertaler, schuf Jagdwaffen, die modernen Sport-Speeren des 21. Jahrhunderts gleichen.
Er hatte noch kein Smartphone und kein iPad, doch sein Gehirn war bereits hochkomplex. Die Jäger nutzten Sümpfe am Schöninger Gletschersee, um intelligent organisiert Wildpferde erlegen zu können. Warum haben sie die für sie wertvollen Speere zurückgelassen? Vermutlich aus Achtung vor den Kreaturen, die sie erlegt haben.
Der Schöninger See entstand, als im Zuge einer neuen Warmzeit der Gletscher schmolz. Es entstand ein ungeheurer Artenreichtum. Die Jäger waren nicht nur Wildpferden auf der Spur, sie sammelten wohl auch die Eier von zahlreichen Wildvögeln wie Schwänen, Enten und Kranichen. Das ergaben Vergleiche klitzekleiner im Tagebau gefundener Eierschalen mit Schalen im Naturhistorischen Museum Braunschweig.
Das Interesse an solchen Schätzen und Erkenntnissen ist international groß. Am 1. Mai war auch eine Besuchergruppe aus Frankreich zu Gast.
Besonders eindrucksvoll ist die Einbindung des Paläon in die Schöninger Tagebau-Landschaft …
… mit dem Braunkohlekraftwerk Buschhaus am Horizont. So hatte alles begonnen. 1994 war mit der Erschließung eines neuen Braunkohlenflözes begonnen worden.
Der Archäologe Hartmut Thieme hatte die Speere gefunden – Spezialisten-Teams sicherten mittlerweile weit mehr als 10 000 Tierknochen. Es gibt ständig neue Überraschungen: Auch der Säbelzahntiger jagte am Schöninger See. Vielleicht haben die Jäger deshalb fluchtartig die Szene verlassen …
Nur noch bis 2017 wird Braunkohle im Helmstedt-Schöninger Revier abgebaut.
Anschließend muss man sich auf die Präsentation von faszinierenden Schätzen wie diesem Eiszeit-Findling aus Tertiär-Quarzit …
… und die Präsentation der einzigartigen Funde im Rahmen des Unesco Geoparks Harz-Braunschweiger-Land-Ostfalen konzentrieren. Der weltweit einmalige Schatz verdankt seine Existenz unfassbaren Zufällen – und der Beharrlichkeit der Forscher. Das Paläon Schönlingen ist ein faszinierender Wissenschafts- und Ausflugsort in der Region Braunschweig. Eindrucksvoller kann man nicht erleben, dass der altsteinzeitliche Urmensch uns verblüffend nah ist. Er hatte Technik, Strategie, Kultur, vermutlich Religion. Wir blicken in einen Spiegel.










